By Pedro | Published | Keine Kommentare

Fast 20 Jahre war der letzte Ginnheimer Sieg gegen Westend aus dem November 2006 her. Schon im ersten Abschnitt dominierten die Ginnheimer, die in der letzten Saison in der A-Klasse nur als Tabellenzweiter hinter Meister Westend über die Relegation aufgestiegen waren. Alterspräsident Tonyo Gering hatte beobachtet: „Die hatten Frust, mussten ohne Ball viel laufen und hatten bis zur Halbzeit schon vier Stück eingeschenkt bekommen. Am Ende ertönte sechsmal die Torhymne und die Gäste im Wäldcheslokal schunkelten mit.“ Die frühe Führung durch Bastian Ullrich (4.) konnte Jost Guinand erhöhen (20.), ehe Westend durch Mustafa Ilhan verkürzte (31.). Ullrich (36.) und Guinand (42.) legten mit zwei weiteren Treffern zum 4:1 nach. Nach dem Seitenwechsel erhöhten Oualid Boulehboub (62.) und der überragende Guinand (66.) mit seinem dritten Tor zum 6:1-Endstand. „Der Gegner wurde souverän abgefertigt. Das Ergebnis hätte bei konsequenterer Chancenverwertung sogar noch deutlich höher ausfallen können. Nach einer überragenden ersten Halbzeit konnten wir es uns leisten, im zweiten Durchgang etwas Tempo aus dem Spiel zu nehmen“, analysierte Ginnheims Sportlicher Leiter Benjamin von Allwörden. Zum unerfreulichen Teil des Spieltages: Guinand musste schon während des Spiels eine Kopfnuss seines Gegenspielers von hinten einstecken, die der Schiedsrichter nicht sah.
Der bekam auch von der Auseinandersetzung beim Gang in die Kabinen nur den dadurch ausgelösten Aufruhr mit. Die Geschehnisse schilderte uns von Allwörden in einer Stellungnahme: „Leider wird dieser großartige Sieg von einem untragbaren Vorfall während der Halbzeitpause überschattet. Ein gegnerischer Spieler verlor völlig die Beherrschung und attackierte einen unserer Spieler, indem er ihn von hinten würgte. Als unser Trainer Luca Labonte schlichtend eingreifen wollte, schlug ihn derselbe Spieler unvermittelt ins Gesicht. Die Folge: Eine 5cm große Platzwunde im Mundraum, die nach dem Spiel im Krankenhaus genäht wurde. Als wäre dieser tätliche Angriff nicht schon schlimm genug, setzte die SG Westend dem Ganzen die Krone auf: Nachdem der Übeltäter von der herbeigerufenen Polizei vernommen worden war und deswegen vom Platz geführt wurde, wurde dieser nach 20 Minuten einfach wieder eingewechselt – als wäre nichts geschehen. Ein solches Verhalten ist absolut erschreckend, blamabel und inakzeptabel. Für Vereinsverantwortliche sollte hier eine Null-Toleranz-Grenze gelten. Dass man bei der SG Westend dennoch wieder auf den Spieler setzte, zeugt von mangelndem Respekt gegenüber der Gesundheit anderer und dem Fair-Play-Gedanken. Da der Schiedsrichter den Vorfall in der Pause nicht persönlich mitbekommen hat, konnte er keine direkte Strafe (Rote Karte) aussprechen. Dies ändert jedoch nichts an der Schwere der Tat, die nun strafrechtlich als auch hoffentlich sportgerichtlich verfolgt wird. Wir wünschen unserem Trainer Luca Labonte eine schnelle Genesung! Gewalt hat auf dem Fußballplatz nichts zu suchen.“
Westend-Trainer Vait Arslanoski sagte zum Spiel: „Wir haben verdient verloren. So habe ich Ginnheim erwartet, die Jungs waren nicht auf der Höhe. Da gibt es keine Entschuldigung, denn die Ginnheimer waren in allen Belangen besser.“ Zum Vorfall sagte der Gästecoach: „Es gab eine Rangelei in der Halbzeit mit dem Co-Trainer Ginnheims, der die Polizei gerufen hat. Er sei angeblich geschlagen worden, keine Ahnung. Es gab eine Anzeige. Ginnheimer stellen sich immer als Unschuldslämmer dar.“ Auch der Spieler, der aufgrund der polizeilichen Ermittlungen nicht namentlich genannt wird, unserer Redaktion aber bekannt ist, sendete uns auf Anfrage ein Statement: „In der Halbzeit auf dem Weg in die Kabinen habe ich den 17er von Ginnheim am Nacken gehalten und ihm gesagt, er soll nicht mehr so frech sein. In der ersten Halbzeit hatten wir beide uns verbal angelegt gehabt. Jedenfalls hat der 17er meine Hand weggeschlagen und der Co-Trainer von Ginnheim mich attackiert. Es entstand eine kurze Rangelei und das wars. Es sind sofort Spieler dazwischen gegangen. Ginnheim hat die Polizei angerufen. Ziel war es, dass ich nicht mehr spiele. Der Trainer sagte schon in der Halbzeit zu mir, gleich ist das Spiel vorbei.“
Da auch Videoaufnahmen von dem Disput existieren, die dem Klassenleiter und dem Kreissportgericht zugespielt wurden, muss sich nun dieses Gremium mit den Folgen der Vorfälle befassen. Um zum Sportlichen zurückzukehren werfen wir noch einen Blick auf das Restprogramm der beiden Vereine. Ginnheim kann den Einzug in die Relegationsrunde mit Siegen in Rödelheim (A), gegen Gudesding (H) und Meister Griesheim (H) aus eigener Kraft schaffen. Für Westend geht es gegen Viktoria Preußen (H), Union Niederrad (A) und beim FC Croatia (A) nur noch um die goldene Ananas.
„Er sei angeblich geschlagen worden, keine Ahnung.“
WESTEND-Trainer Vait Arslanoski

















