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Preußen bestrafen fahrlässige Heddernheimer: 5:4 nach 1:4!

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In einer Partie mit einem absurden Spielverlauf verspielte Aufstiegsanwärter SV 07 Heddernheim im Derby gegen die abstiegsgefährdete Viktoria Preußen einen sicher geglaubten Sieg. Die 4:1-Führung bis zur 74. Minute mit einem Spieler in Überzahl verwandelte sich nach grotesken elf Minuten in einen 4:5-Rückstand, bei dem es auch bis zum Abpfiff blieb. Während Heddernheim damit aus den aufstiegsrelevanten Plätzen auf Rang drei fiel, kletterten die Preußen auf Rang zwölf und damit auf einen Nichtabstiegsplatz. 
Seit zehn Jahren in Heddernheim ohne Liganiederlage bleibt Viktoria Preußen. Foto: Einsendung Verein.  
SV 07 Heddernheim – SV Viktoria Preußen 4:5 (3:1)

Es bleibt dabei: Heddernheim kann in der Kreisoberliga seit dem 15. April 2016 nicht mehr gegen den Rivalen von der Hügelstraße gewinnen, holte daheim seitdem nur noch ein Remis und verlor seit 2019 außer dem Pokal-Achtelfinale 2022 (weiter im Elfmeterschießen) sämtliche Heimspiele, während man auswärts dreimal als Sieger vom Platz ging. Vor zehn Jahren hieß das Trainerduell noch Andreas Ludwig gegen Nawid Saighani. Lang, lang ist es her! Heddernheim zum dritten Mal in dieser Saison in grüner Spielkleidung, da die „Modefarbe“ grau den genausofarbigen Jerseys der Gäste weichen musste. Mit Kadir Mengunogul, Mikail Keles und den Brüdern Antonie, Cherano und Giuliano Amante standen fünf Ex-Preußen bei Heddernheim in der Startelf. Bei den Gästen spielte der in der SV 07-Jugend ausgebildete Milan Drozdowski. Emotional ging es gleich zur Sache, der zum Torjäger avancierte frühere Bad Vilbeler Pascal Bausch markierte gleich seinen 26. Saisontreffer per Kopf und die Gäste führten (12.). Heddernheim, das die Platzwahl verloren hatte und erst auf seine Anhänger zuspielte, hatte mit Amante die Ausgleichsmöglichkeit, aber ein Gästeakteur klärte auf der Linie (21.). Wenig später war Amante im Strafraum nicht zu stoppen, seine Hereingabe von der linken Seite lenkte der aus Bornheim gekommene Neu-Preuße Noah Ersan ins eigene Tor (26.). Die Gastgeber nutzten das Momentum um das zweite Tor nachzulegen. Cherano, der sich aufgrund seiner Runningaktivitäten nun auf Social Media „Cheruno“ nennt, passte nach innen zu seinem Halbbruder Amante und der markierte das 2:1 (29.).

Beim Torjubel gerieten Akteure beider Vereine derart aneinander, dass der Schiedsrichter das DFB-STOPP-KONZEPT anwendete und die Teams zur Beruhigung in die eigenen Strafräume schickte. Heddernheim zog nun die Spielkontrolle an sich und Christos Papadopoulos traf die Latte (36.). Kurz darauf sah der gelbbelastete Yafet Estifanos wegen Meckerns Gelb-Rot (38.) und die Gäste verblieben in Unterzahl. Papadopoulos mit einem Drehschuss sorgte für den 3:1-Halbzeitstand (41.). 138 Zuschauer bei besten äußeren Bedingungen waren begeistert, sofern sie SVH-Anhänger waren. Schrecksekunde dann kurz vor der Pause. Cherano blieb schmerzverzerrt liegen, man fürchtete eine schwere Verletzung. Nach der Behandlung durch Spielausschuss-Chef Klaus Schleicher war der Torjäger (19 Tore) aber wieder bei Laune und konnte weiterspielen. Nach dem Seitenwechsel scheiterte Cherano an Gästekeeper Cedric Wohlgemuth und das gleich zweimal in Folge (54.). Antonie traf dann aus der Distanz vom Innenpfosten zum 4:1 (59.) und das Ding schien gelaufen. Doch was passierte danach? Bis zur 74. Minute stand es weiter 4:1, die Gäste schienen sich auch mit der Niederlage abzufinden. Was danach folgte, kam sprichwörtlich aus heiterem Himmel. Fühlten sich die Heddernheimer zu sicher? Hatten sie wie die meisten Zuschauer die Partie abgehakt? Nach einer Ecke verkürzte der lange Bausch zum 4:2 (74.). Ergebniskosmetik, was sollte schon noch passieren? Doch diese fahrlässige Denkweise nahm schnell eine unerwartete Eigendynamik an.

  • Geschockte Heddernheimer drängten noch auf das 5:5

Unnötigen Elfmeter verursacht, Bausch mit seinem 28. Saisontor zum 4:3 (78.). Beim folgenden Anstoß vertändelten zwei Heddernheimer sorglos den Ball, der eingewechselte Atahan Kücük ging resolut dazwischen und lief ungestört 15 Meter mit dem Ball um dann aus 25 Metern direkt in den Winkel zu treffen – 4:4 in der gleichen Spielminute (78.). Getrieben durch den tosenden Jubel schwammen die Gäste nun auf der Euphoriewelle, hatten aber Glück, dass der Schiedsrichter ein Tor von Ayman Gasoos wegen vermeintlicher Abseitsposition nicht anerkannte, es wäre das 5:4 gewesen (83.). Das fiel dann auf der Gegenseite mit einem Freistoß von Drozdowski, der den Ball sensationell traf und Marc Tomczyk im SVH-Tor keine Chance ließ (85.). Die geschockten Heddernheimer warfen nun alles nach vorne, die Gäste konterten. Zahlreiche Strafraumaktionen nach Eckbällen wurden von den Gästen abgewehrt, mehrere Möglichkeiten prallten an den Preußen-Spielern ab und so blieb es beim nach 74 Minuten nicht für möglich gehaltenen 4:5. „Mir fehlen die Worte, ich bin fassungslos über diese herbe Enttäuschung“, sagte SVH-Trainer Andreas Berggold nach der denkwürdigen Partie. „Am Anfang lagen die Preußen verdient in Führung, waren besser im Spiel. Wir haben es aber gedreht, gehen mit 3:1 in die Pause und haben es dann angesprochen: Leute passt auf, Spannung halten. Nach dem 4:1 hat jeder gedacht: Das Ding ist durch. Normalerweise muss eine Mannschaft, die oben um die Meisterschaft spielt mit einem Mann mehr so einen Vorsprung runterspielen können. Das haben wir leider nicht geschafft. Es waren kuriose Tore, die so nicht passieren dürfen. Es gibt aber immer neue Geschichten im Fußball und sowas habe ich auch noch nicht erlebt. Am Ende haben wir verdient verloren. Es kann nicht sein, dass wir als Mannschaft, die Ambitionen hat aufzusteigen, dieses Ding nicht gewinnen“, haderte Berggold.

Nach dieser Schlappe brauche man „erstmal nicht über Platz eins oder zwei zu reden. Wir müssen erstmal beisammen kommen und reflektieren, einen klaren Blick für die Situation zu bekommen. Jedem muss klar sein, dass wenn wir so Spiele herschenken, wir nichts mit dem Aufstieg zu tun haben. Die Spieler müssen jetzt reagieren, das ist eine Charakterfrage.“ Im „Auswärtsspiel“ beim ebenso abstiegsgefährdeten FC Croatia am Sonntag (15 Uhr) „müssen wir die Köpfe nach oben richten, nach vorne blicken. Wir müssen jetzt wieder in die Erfolgsspur kommen.“ Preußen-Trainer Artur Rissling war hinterher im Vereinshaus realistisch: „Das habe ich nicht mehr erwartet, nach dem 1:4 war das Spiel für mich fertig. Das war gelaufen, aber Fußball ist manchmal so. Vielleicht war sich Heddernheim zu sicher, wir hatten etwas Glück. Nach dem 4:4 war es offen, es hätte für beide Seiten ausgehen können. Das 5:4 von Heddernheim war übrigens kein Abseits, ich stand auf der Höhe. Die Einwechselspieler haben das Spiel umgerissen, jetzt haben wir endlich einen großen Kader. Nach der verdienten 1:0-Führung hatten wir das Spiel in 15 Minuten mit den drei Gegentoren eigentlich verloren. Im Endeffekt war die Moral überragend, niemals aufgeben und wir hatten das Quäntchen Glück“, meinte Rissling. Nächsten Sonntag erwarten die Preußen den Vorletzten GSU Hellas, dessen Verantwortliche sich ein Bild von der unglaublichen Moral der Gäste machen konnten.  

  • Schiedsrichter: Alexander Sternberg (Germania Ober-Roden).
  • Zuschauer: 138.
  • Tore: 0:1 Pascal Bausch (12.), 1:1 Noah Ersan (26./Eigentor), 2:1 Giuliano Amante (29.), 3:1 Christos Papadopoulos (41.), 4:1 Antonie Willeführ (59.), 4:2, 4:3 Pascal Bausch (74./78., Foulelfmeter), 4:4 Atahan Kücük (78.), 4:5 Milan Drozdowski (85.).