By Pedro | Published | Keine Kommentare

Nach dem turbulenten 6:6 im Hinspiel endete auch das Rückspiel im Ostpark 2:2, die Heddernheimer beklagten hinterher aber Verletzungspech. Torhüter Marc Tomczyk musste zur Halbzeit gegen Sven Kappel ausgewechselt werden, später musste auch Innenverteidiger Dogan Nazim Erbulan verletzt raus. Am schlimmsten erwischte es jedoch Torjäger Cherano Willeführ, der mit 31 der 93 Heddernheimer Toren für genau ein Drittel der Treffer verantwortlich ist. Bei einer Abwehraktion im eigenen Strafraum stürzte der Stürmer zu Boden und blieb schmerzverzerrt liegen. Das Spiel war für 15 Minuten unterbrochen, der gerufene Krankenwagen holte den Spieler noch auf dem Spielfeld ab. Es besteht Verdacht auf Bänder- oder Kreuzbandriss. Aus dem Krankenhaus meldete sich der Spieler über seine Social Media-Präsenz und postete: „MRT wird erst die Tage gemacht, wenn ich die Überweisung dafür habe, weil die hier vor Ort kein MRT machen. Bedeutet jetzt erstmal abwarten und Ungewissheit.“ Der Schiedsrichter überraschte dann nach Wiederbeginn mit der Ansage einer Nachspielzeit von 27 Minuten, aus der letztlich 32 wurden. Gerechtfertigt wären aufgrund der Unterbrechungen circa 20 Minuten gewesen, da zuvor auch schon Erbulan behandelt wurde.
Ein Rechenfehler, der das Ergebnis von 2:2 in der „Verlängerung“ fast noch verändert hätte. Doch der Reihe nach: Auf dem großen Kunstrasenplatz im Ostpark startete Heddernheim offensiv. Cherano wurde gleich nach vier Minuten abgeblockt, dann ging ein guter Schuss von Giuliano Amante über das Tor. Immer wieder scheiterten die Grauhemden an FCG-Keeper Alexander Klein, den Trainer Maik Rudolf notgedrungen angesichts des Ausfalls von Stammkeeper Jonathan Koenen zwischen die Pfosten gesetzt hatte. „Er hat in der Jugend im Tor gespielt, ist aber eigentlich Feldspieler und hat hervorragend gegen die beste Offensive der Liga gehalten“, lobte Rudolf hinterher. So auch gegen Cherano, als der Torjäger frei durchlief, Klein aber herauskam und dem Stürmer den Ball wegnahm. Nach zwanzig Minuten näherte sich Gudesding dem Kasten von Marc Tomczyk an. Heim-Goalgetter Mutaz Husain hatte nach einem Konter die erste Chance. Dann nutzte Fabian Lifka einen Abpraller per Flachschuss zum 1:0 (20.). Dann war es wieder Cherano, der frei durch war, diesmal aber am Tor vorbei schoss. Die 66 Zuschauer im Ostpark sahen dann kurz vor der Pause doch noch den Ausgleich für den Aufstiegsanwärter. Deniz Yatci, der dienstälteste Spieler, kam über links durch, seine Hereingabe schob Cherano zum 1:1 ein (44.). Nach dem Seitenwechsel Start nach Maß für Heddernheim. Christos Papadopulos scheiterte an Klein, Cherano staubte zu seinem 31. Saisontreffer ab (47.). Jetzt lag er nur noch einen Treffer hinter dem „Preußen“ Pascal Bausch mit 32 Treffern. Auf der Gegenseite konnte sich der routinierte, lautstark dirigierende Kappel mehrfach gegen Abschlüsse von Modibo Kone auszeichnen. Einen langen Ball auf die rechte Seite konnten die Heddernheimer dann nicht verteidigen und Gudesdings Torgarant Mutaz Husain versenkte zum Ausgleich mit Saisontor Nummer 22 (75.).
Dann kam es in der 80. Minute zu dieser verhängnisvollen Szene mit Cherano. Ömer Güngör wurde nach der Unterbrechung für ihn eingewechselt und hätte das Spiel mit zwei klaren Torchancen entscheiden können. Bei seinem Distanzschuss konnte Klein parieren, dann schoss er den Ball ganz knapp am Tor vorbei. Mit der letzten Aktion lenkte Kappel noch einen Schuss von Eser-Mustafa Cikaran an den Pfosten (120./+32!). Dann war Schluss und die Spieler hatten den Eindruck, ein Pokalspiel mit Verlängerung hinter sich zu haben. Da es aber ein Ligapiel war, gab es nur einen Punkt für jeden und kein Elfmeterschießen. Dafür fielen die Stimmen der beiden Trainer deutlich aus. Gudesding-Trainer Maik Rudolf: „Nach dem 6:6 im Hinspiel hatte der Spieler Alexander Root zu mir gesagt: Willkommen in der verrückten, wilden KOL Frankfurt. Ich rede selten über einen Schiedsrichter, aber ich wünsche mir einen Schiedsrichter, der das Spiel leitet und nicht auffällt und wenn beide Seiten sich intensiv mit dem Schiedsrichter beschäftigen und sich dadurch weniger aufs Spielfeld konzentrieren können, dann passt was nicht. Über 90 Minuten hätten wir gewinnen müssen, die klareren Chancen waren auf unserer Seite. Wir haben den Gegner wieder ins Spiel kommen lassen durch unsere Fehler und waren dann in der zweiten Halbzeit und in der langen Nachspielzeit deutlich tonangebend. Es hätte aber auch die eine oder andere Situation gegen uns gepfiffen werden können.“ Zur langen Nachspielzeit sagte Rudolf: „Das war deutlich zu lang, da war ein Rechenfehler drin, das kam mir doppelt gerechnet vor.“ Rudolf wünschte Cherano „gute Besserung. Ich hoffe, dass es nicht so schlimm ist.“ Gleichwohl freute er sich, dass „wir einen ambitionierten Aufstiegsanwärter ärgern konnten.“ Heddernheims Trainer Andreas Berggold befand: „Nach dem Spielverlauf geht das Unentschieden in Ordnung. Beide Mannschaften hatten ihre Phasen, wenn wir in der ersten Halbzeit vor dem 1:0 unsere Torchancen nutzen, dann geht es vielleicht anders aus. Wir haben hochkarätige Chancen nicht genutzt. Nach dem 2:1 haben wir nur noch verwaltet und verteidigt, da kam Gudesding verdient zum Ausgleich.“
Zum Verlust von Torjäger Cherano sagte der Coach: „Das ist sehr schmerzhaft, einen Torjäger mit 31 Toren ersetzen ist nicht möglich. Wir hoffen, dass es nicht allzu schlimm ist. Wir haben auch zur Halbzeit unseren Torhüter wechseln müssen, der böse angegangen wurde und wo es auch keine Karte gab. Dogan musste verletzt raus – wir haben hier richtig Substanz verloren. Wir hoffen, dass die beiden Spieler am Sonntag wieder dabei sind, bei Cherano wird das nicht möglich sein. Wir drücken ihm die Daumen, dass es nicht ganz so schlimm ist.“ Zum Schiedsrichter, der Berggold noch aus Königsteiner Zeiten bekannt war, sagte der Coach: „Lassen wir mal die Spielzeit außen vor, die Leistung vom Schiri war unterirdisch. So etwas schlechtes habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht gesehen und wenn beide Mannschaften das sagen und die Zuschauer drumherum, dass das so schlecht war, dann kann ich mich nicht als Schiri hinstellen und sagen, dass ich alleine bin. Alle anderen Schiris sind auch alleine auf dem Platz und kriegen das besser hin. Bisher hatten wir diese Saison gute Schiris, da waren super Männer dagewesen.“ Zur Tabellenlage vor dem Topspiel gegen TuS Makkabi: „Das schöne ist, dass wir den zweiten Platz immer noch selbst in der Hand haben. Ob wir an den ersten Platz nochmal rankommen, werden wir sehen. Wir wollen auf jeden Fall den zweiten Platz verteidigen, dafür wäre ein Sieg gegen Makkabi extrem wichtig.“ Am gleichen Tag fahren die „Guden“ in den „hohen Norden“ zur SG Harheim.


