Ich möchte mich zu dem veröffentlichten Bericht äußern, weil die Situation aus meiner Sicht an entscheidenden Stellen anders dargestellt wird, als ich sie erlebt und wahrgenommen habe. Als Erstes möchte ich eines ganz klar sagen: Rassismus ist kein Spaß. Rassismus ist keine Kleinigkeit. Und Rassismus darf auf einem Fußballplatz keinen Zentimeter Platz haben. Hier geht es aus meiner Sicht auch nicht einfach nur um eine „unglückliche Wortwahl“ oder darum, dass jemand etwas angeblich anders gemeint hat. Was aus meiner Sicht passiert ist: Nach einem Ballgewinn unserer Mannschaft haben einige unserer verletzten Spieler und Zuschauer lautstark gefeiert. Daraufhin habe ich wahrgenommen, wie ein Spieler des SV 07 Heddernheim seinen Arm hob, gezielt in Richtung unserer Zuschauertribüne zeigte und sagte: „Was ist das hier für ein Affengehege?“ In genau diesem Bereich befanden sich auch dunkelhäutige Zuschauer. Für mich ist dieser Zusammenhang entscheidend. Wenn jemand in Richtung einer Gruppe zeigt, in der sich dunkelhäutige Menschen befinden, und gleichzeitig das Wort „Affengehege“ benutzt, dann kann man nicht erwarten, dass die betroffenen Menschen das einfach als harmlose Beschreibung einer Situation verstehen.
Solche Worte haben eine Geschichte. Solche Worte verletzen. Und solche Worte können Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe herabwürdigen. Genau deshalb akzeptiere ich nicht, dass die Situation im Nachhinein auf ein Missverständnis oder eine bloß „unkluge Aussage“ reduziert wird. Mehrere unserer Spieler auf dem Platz haben die Aussage ebenfalls mitbekommen und unmittelbar lautstark darauf reagiert. Ich selbst konnte zunächst kaum glauben, was ich gehört hatte. Deshalb habe ich einen meiner Spieler noch einmal gefragt, ob er die Aussage ebenfalls so gehört hatte. Er bestätigte mir das. Trotzdem haben wir das Spiel zunächst zu Ende gespielt. Wichtig: Nicht jeder bei Heddernheim hat weggeschaut. An dieser Stelle möchte ich aber auch etwas klarstellen, weil mir eine faire Darstellung wichtig ist. Cherano Willeführ vom SV 07 Heddernheim hat zu dem Vorfall klar Stellung bezogen. Er hat die Aussage verurteilt und nach meiner Wahrnehmung auch bestätigt, dass diese Worte so gefallen sind. Das rechne ich ihm ausdrücklich an. Denn genau darum geht es: Wenn etwas falsch läuft, muss man nicht versuchen, es schön zu reden. Man kann einfach sagen: Das war falsch.
Das gehört sich nicht. Mir geht es deshalb ausdrücklich nicht darum, den kompletten SV 07 Heddernheim oder jeden einzelnen Spieler über einen Kamm zu scheren. Wenn jemand aus den eigenen Reihen eine klare Grenze zieht und eine solche Aussage verurteilt, dann gehört auch das zur Wahrheit und muss erwähnt werden. „So war es nicht gemeint“ reicht nicht Was mich an der gesamten Situation besonders stört, ist die spätere Erklärung, die Aussage sei angeblich nur auf die Situation und nicht auf Personen bezogen gewesen. Dann stelle ich eine ganz einfache Frage: Warum zeigt man bei dieser Aussage mit dem Arm genau in Richtung der Zuschauer? Und warum benutzt man ausgerechnet ein Wort wie „Affengehege“?
Wenn eine Aussage bei dunkelhäutigen Menschen so ankommt, dass sie sich rassistisch beleidigt fühlen, dann muss man das ernst nehmen. Man kann sich nicht einfach hinter dem Satz verstecken: „So war es nicht gemeint.“ Entscheidend ist nicht nur, was jemand angeblich gemeint haben will. Entscheidend ist auch, was gesagt wurde, in welchem Zusammenhang es gesagt wurde und gegen wen beziehungsweise in welche Richtung es gesagt wurde. Für mich hätte es deshalb nur eine richtige Reaktion gegeben: Die Situation klar benennen, Verantwortung übernehmen und sich ohne Ausreden bei den betroffenen Menschen entschuldigen. Genau das ist aus meiner Sicht nicht ausreichend passiert. Und gerade weil es mit Cherano jemanden aus den Reihen Heddernheims gab, der die Aussage klar verurteilt hat, verstehe ich umso weniger, warum von anderer Seite versucht wurde, so viel Interpretationsspielraum in diese Situation hineinzubringen. Wenn selbst jemand aus den eigenen Reihen sagt, dass diese Worte gefallen sind, und sie verurteilt, sollte man sich nicht zuerst darüber unterhalten, wie sie vielleicht gemeint gewesen sein könnten.
Man sollte sich zuerst damit beschäftigen, warum solche Worte überhaupt gefallen sind. Meine Reaktion nach dem Spiel: Nach dem Abpfiff wollte ich mit dem betreffenden Spieler sprechen und ihn direkt mit der Situation konfrontieren. Er ging jedoch in Richtung Kabine. Ja, ich war in diesem Moment extrem wütend und aufgebracht. Ich war laut und emotional. Für Außenstehende mag mein Auftreten zu aggressiv gewirkt haben. Das will ich auch nicht schönreden. Aber zwischen einem sehr emotionalen Auftreten und einem tatsächlichen körperlichen Angriff besteht für mich ein großer Unterschied.
Der Schiedsrichter befand sich während eines Teils der Situation unmittelbar in meiner Nähe. Ich erhielt in diesem Zusammenhang keine Rote Karte. Und eines möchte ich ebenfalls deutlich sagen: Der betreffende Spieler hat den Sportplatz der SG Westend ohne körperliche Verletzung verlassen. Ich selbst habe ihm am Ende sogar noch die Tür seines Fahrzeugs geöffnet. Zum Vorwurf der fehlenden Vorbildfunktion: Der Trainer des SV 07 Heddernheim hat anschließend von einer Vorbildfunktion eines Trainers gesprochen. Für mich bedeutet Vorbildfunktion aber nicht nur, ruhig an der Seitenlinie zu stehen. Vorbildfunktion bedeutet auch, seine Spieler zu schützen, Verantwortung zu übernehmen und klare Grenzen zu ziehen, wenn etwas passiert, das auf einem Fußballplatz keinen Platz hat. Deshalb frage ich mich bis heute: Wenn die Aussage tatsächlich ganz anders gemeint gewesen sein soll – warum gab es keine klare Entschuldigung? Warum hat niemand gesagt: „Diese Worte waren falsch. Sie waren verletzend. Dafür übernehmen wir Verantwortung.“ Stattdessen wurde aus meiner Sicht vor allem versucht zu erklären, warum es angeblich nicht so gemeint gewesen sei. Für mich ist genau das das Problem. Wenn Menschen sich durch eine solche Aussage rassistisch beleidigt fühlen, darf die erste Reaktion nicht sein, ihre Wahrnehmung kleinzureden. Zum Gespräch mit unserem Kapitän Unser verletzter Kapitän hat später eine Entschuldigung angenommen. Dabei muss aber erwähnt werden, dass er nach meiner Kenntnis nicht die komplette Situation wahrgenommen hatte. Insbesondere hatte er nicht gesehen, wohin der Spieler bei seiner Aussage gezeigt hatte. Deshalb kann dieses Gespräch aus meiner Sicht nicht stellvertretend für alle Menschen stehen, die den gesamten Ablauf wahrgenommen haben. Eine Entschuldigung gegenüber einer einzelnen Person beendet nicht automatisch die Verantwortung gegenüber allen anderen Betroffenen. SG Westend schaut auch auf sich selbst Ich werde hier auch nicht so tun, als wäre die SG Westend Frankfurt in den vergangenen Jahren immer ein Vorbild gewesen. Das wäre unglaubwürdig. Unser Verein hatte in der Vergangenheit Probleme und Situationen, auf die niemand stolz sein kann. Aber genau deshalb arbeiten wir daran, Dinge zu verändern. Unser Vorstand will diesen Weg gehen und ich als Trainer der ersten Mannschaft genauso. Ich glaube, dass die Mannschaften, gegen die wir in dieser Saison bisher gespielt haben, diese Veränderung ebenfalls wahrnehmen können.
Vor allem ist mir wichtig: Die heutige Mannschaft darf nicht pauschal für Dinge verantwortlich gemacht werden, die in den vergangenen Jahren passiert sind. Viele der heutigen Spieler hatten damit überhaupt nichts zu tun. Unser Verhältnis zu Heddernheim: Seit ich Trainer bei der SG Westend bin, waren die Spiele gegen Heddernheim für mich immer besondere Kreisoberliga-Spiele. Intensiv, emotional und sportlich stark. Auch dieses Spiel war sportlich auf einem sehr guten Niveau. Deshalb finde ich es umso trauriger, dass wir danach über solche Dinge sprechen müssen. Für mich war diese Situation eine Grenze zu viel. Was wir jetzt erwarten Wir haben bewusst weder den Namen noch die Rückennummer des betreffenden Spielers öffentlich gemacht. Es geht uns nicht darum, jemanden öffentlich an den Pranger zu stellen. Es geht darum, wie ein Verein mit einem solchen Vorwurf umgeht. Deshalb erwarten wir vom SV 07 Heddernheim eine klare Haltung und eine ernsthafte Aufarbeitung. Und wir erwarten eine Entschuldigung gegenüber den Menschen, die sich durch diese Aussage verletzt und rassistisch beleidigt gefühlt haben. Nicht halbherzig. Nicht mit dem Zusatz, dass es „eigentlich anders gemeint“ gewesen sei. Sondern eine klare Entschuldigung für Worte, die so auf einem Fußballplatz niemals fallen dürfen. Genauso klar sage ich aber auch: Gewalt ist keine Lösung. Egal, wie verletzt, enttäuscht oder wütend jemand ist – körperliche Gewalt darf niemals die Antwort sein. Ich kann nachvollziehen, warum meine Spieler emotional reagiert haben. Trotzdem tragen wir alle Verantwortung dafür, dass solche Situationen nicht eskalieren. Jetzt soll das Sportgericht den Vorfall bewerten. Ich wünsche mir dabei, dass alle Beteiligten gehört werden und dass besonders der genaue Wortlaut, die Geste und die Richtung, in die gezeigt wurde, berücksichtigt werden. Denn genau dieser Zusammenhang ist aus meiner Sicht entscheidend. Rassismus darf keinen Platz im Fußball haben. Und wenn der Verdacht auf eine rassistische Aussage im Raum steht, darf man ihn nicht kleinreden, relativieren oder hinterher sprachlich weich zeichnen. Gleichzeitig gehört zur Wahrheit auch, diejenigen zu erwähnen, die Haltung gezeigt haben. Cherano hat das getan. Genau diese klare Haltung hätte ich mir von allen Beteiligten gewünscht.
Vait Arslanoski
Trainer 1. Mannschaft
SG Westend Frankfurt