By Pedro | Published | Keine Kommentare

Rassistische Kommentare dürfen keine Akzeptanz in der Gesellschaft finden. Schon gar nicht auf dem Fußballplatz. Als Reaktion darauf jedoch mit Tumulten und Gewaltbereitschaft gegen den betreffenden Spieler des SV 07 Heddernheim zu agieren, ist genauso wenig hinnehmbar. Wer sich gegen Rassismus positionieren will, sollte sich auch gegen Gewalt aussprechen. Denn diese kann keinen Lösungsansatz liefern.
Produktiver war dann schon ein Gespräch weit nach Spielende, das der Schiedsrichter zwischen dem verletzten Westend-Kapitän und dem Übeltäter in den Reihen der Heddernheimer vermittelte. Dieser habe die Frage „Was ist das denn hier für ein Affentheater da draußen?“ eingeräumt, von der sich einige dunkelhäutige Personen im heimischen Publikum rassistisch beleidigt fühlten. Der Spieler habe betont, lediglich die Situation, nicht aber explizit die Personen, gemeint zu haben. Der Westend-Kapitän habe die Entschuldigung dann angenommen. Westend-Trainer Vait Arslanoski, der den Spieler direkt nach Abpfiff zur Rede stellen wollte, konnte mit diesen Erklärungen aber nichts anfangen, er war kaum zu beruhigen: „Das geht gar nicht. Wir sind in Frankfurt, wir sind eine Multi-Kulti-Stadt. Rassismus darf es hier nicht geben, das darf er nicht sagen. Wir werden den Vorfall dem Klassenleiter melden, damit der Spieler aus dem Verkehr gezogen wird. Ich kenne die Heddernheimer so nicht, so einen Spieler sollten die rausschmeißen. Angeblich hat das keiner von denen gehört. Das ist das letzte was hier auf den Sportplatz gehört.“
Heddernheims Trainer Ivan Susak sagte: „Ehrlich gesagt habe ich das nicht gehört. Aber ich sage auch, dass Rassismus auf dem Platz nichts zu suchen hat. Wir haben selbst viele Nationalitäten in der Mannschaft, ich bin selber Kroate. Ich denke nicht, dass der Spieler auf diese Art und Weise hier jemanden beleidigen wollte. Das war aber absolut unklug. Hätte der Schiedsrichter es gehört, hätte er das Spiel womöglich abgebrochen. Meiner Meinung nach ist da viel Interpretationsspielraum. Es gehört sich aber auch nicht als Trainer in einer Vorbildfunktion, hier gewaltbereit aufzutreten, um den Spieler tätlich angreifen zu wollen.“ Nachdem der Klassenleiter den Sonderbericht des Schiedsrichters mit seinen Beschreibungen an das Kreissportgericht versendet hat, muss sich nun dieses Gremium mit den Vorkommnissen befassen. Das Spielgeschehen bot unterdessen ein herausragendes Kreisoberliga-Niveau mit zwei sehr guten Torhütern. Westends Keeper Marcel Jonetzko und Heddernheims Tormann Pap Assan Njie machten mit ihren Paraden zahlreiche Chancen zunichte, sonst wären wohl mehr als vier Tore auf dem großen Rasenplatz gefallen. Nachdem Heddernheim offensiv gestartet war und durch Stürmer Stefano Amores Kopfball die erste Riesenchance vergab, die Westends Abwehrmann Mert Sayan von der Linie rettete (7.), gingen die Platzherren durch Wayhu Nurdin in Führung (19.).
Er verwertete einen Steilpass zum 1:0. Auf Flanke von Amore, der ein gutes Spiel machte, köpfte Dogan Nazim Erbulan zum Ausgleich ein (32.). Im zweiten Abschnitt köpfte Sayan eine Freistoßflanke von Kenam Hadzic zum 2:1 ein (62.). Wieder fand Heddernheim eine Antwort. Balleroberung von Antonie Willeführ, dessen Pass Marco Yatci zum 2:2 versenkte (70.). Zum Spiel sagte Arslanoski: „Verdientes Ergebnis. Heddernheim hat das überragend gemacht, wir haben es auch nicht schlecht gemacht. Das war sehr gutes KOL-Niveau. Der Schiri hat super gepfiffen.“ Sein Kollege Susak analysierte: „Aus meiner Sicht waren wir die bessere Mannschaft, wir hatten Ausfälle wie Dupont Linden und Talevski zu kompensieren. Mit ein bisschen mehr Spielglück gewinnen wir das Spiel auch.“ Am Sonntag haben beide Teams interessante Begegnungen zu absolvieren. Die SG Westend reist zur aufstrebenden Concordia Eschersheim (15 Uhr). Zeitgleich erwartet der SV 07 Heddernheim den SV Viktoria Preußen, gegen den seit mittlerweile zehn Jahren kein Heimsieg mehr gelang.